Nach einer dreijährigen Bauzeit unter extremen klimatischen Bedingungen und in exponierter Höhenlage wurde Ende Mai der «Titlis Tower» eröffnet. Der markante Aussichtsturm bietet ein spektakuläres Panorama auf die umliegende Alpenwelt. Gleichzeitig laufen die Bauarbeiten auf Europas höchstgelegener Baustelle weiter.
Über eine Million Menschen besuchen jährlich den Titlis. Damit zählt der Gipfel zu den international bedeutendsten Tourismusdestinationen der Schweiz.
Die Infrastruktur der 1967 errichteten Bergstation wurde im Laufe der Jahre mehrfach erweitert und umgebaut, stiess jedoch zunehmend an ihre betrieblichen und räumlichen Kapazitätsgrenzen. Zudem befindet sich rund 300 Meter entfernt ein 76 Meter hoher ehemaliger Richtstrahlturm der PTT aus den 1980er-Jahren. Vor diesem Hintergrund entwickelte Herzog & de Meuron im Auftrag der Titlis Bergbahnen ab 2017 den «Masterplan TITLIS». Dieser umfasst die architektonische Transformation des ehemaligen Richtstrahlturms zu einem neuen Wahrzeichen des alpinen Tourismus und die Erneuerung der Bergstation mit geplanter Fertigstellung im Jahr 2029.
Für Planung und Realisierung des hochkomplexen Bauvorhabens wurden vier Schweizer Unternehmen mit ausgewiesener Erfahrung im hochalpinen Bauen beauftragt. Die Aepli Metallbau AG, die H. Wetter AG, die Josef Meyer Stahl und Metall AG sowie die RUCH Metallbau AG überzeugten im Vergabeverfahren durch ihre gebündelte Fachkompetenz, hohe Ausführungskapazität und langjährige Projekterfahrung. Damit setzten sie sich gegen internationale Mitbewerber durch. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichte eine effiziente, qualitativ hochwertige und termingerechte Umsetzung der anspruchsvollen Stahlbau-, Metallbau- und Fassadenarbeiten.
Mit dem 76 Meter hohen Titlis Tower, dem höchstgelegenen Turm Europas, entstand nach dreijähriger Bauzeit auf über 3’000 Metern Höhe ein markantes Bauwerk zeitgenössischer alpiner Architektur. Der ehemalige Richtstrahlturm wurde nach den Entwürfen von Herzog & de Meuron in eine öffentlich zugängliche Landmarke transformiert. «Der Titlis Tower steht für den Pioniergeist unseres Unternehmens. Mit diesem Bauwerk verbinden wir Technikgeschichte, Architektur und ein neues Gipfelerlebnis für unsere Gäste», sagt André Sidler, Head of Marketing & Sales der Titlis Bergbahnen.
Im April 2023 begann die H. Wetter AG mit der Planung der Demontage-, Ausführungs- und Montagearbeiten für den Stahlbau. Die Ausführungsplanung durch Aepli und RUCH begannen im Juni 2023. Am Turm verantwortete die H. Wetter AG die Demontage sowie die Planung und Umsetzung der neu eingebauten Stahlstrukturen für die eingeschobenen Baukörper und Besucherplattformen. In der Ausführungsphase waren ab August 2023 bis zu 20 Wetter-Mitarbeitende mit der Montage des Titlis Tower im Einsatz.
«Die Logistik war für uns nicht die grösste Herausforderung», erklärt Marc Kreissig, Leiter Stahlbau der H. Wetter AG. «Anspruchsvoller war der Umstand, dass die eingesetzten Hebemittel aufgrund der Antennentechnik nicht auf dem obersten Geschoss des Turms platziert werden konnten. Zudem wurde der Kern – unser zentrales Montage- und Bauzentrum – bereits 2023 durch die in der Gebäudemitte installierte Antennenbox für Hebearbeiten von oben unzugänglich.»
Zur Aufnahme der zusätzlichen Lasten wurden die bestehenden vier Vertikalträger um vier neue Erschliessungsstrukturen ergänzt. Zwei davon integrieren Liftanlagen, zwei dienen als Fluchttreppenhäuser. Die neuen Stahltragwerke bestehen aus Rohrstützen mit diagonal angeordneten Verbänden. In die Tragstruktur wurden zwei horizontale, sich kreuzförmig überlagernde Baukörper eingeschoben. Die raumhoch verglaste Gebäudehülle, bestehend aus Stahlprofilrahmen mit aufgesetzten Pfosten-Riegel-Systemen schliessen die Konstruktion nach aussen ab. Die beiden raumhoch verglasten Baukörper schaffen Flächen für Gastronomie, Bar- und Retailnutzungen. Der obere Baukörper, der den Gastrobereich aufnimmt und von Norden nach Süden verläuft, hat eine Länge von 36.90 m, eine Breite von 11.56 m sowie eine Höhe von 6.07 m. Innenseitig wurden die stirnseitigen Pfosten mit spiegelpoliertem Chromstahlblech verkleidet. Der Ost-West ausgerichtete untere Baukörper ist mit 42.30 x 7.36 x 6.65 m deutlich länger. Besucher gelangen per Lift zu den Gastro- und Retailflächen sowie zur darüber liegenden Aussichtsterrasse: Mit ihrer auskragenden Konstruktion 54 Meter über dem Gipfel bietet diese eine 360-Grad-Rundumsicht auf Gletscher und Bergipfel. Ein rund 300 Meter langer Stollen verbindet den Turm witterungsgeschützt mit der Bergstation.
Für die Realisierung der Turmtragestruktur verbaute Wetter über 500 Tonnen Stahlträger. Seit Juli 2024 führte RUCH Metallbau Montagearbeiten am Turm aus. Sie verbaute für die vier Erschliessungstürme insgesamt 160 Tonnen Stahl, 38 Tonnen Treppenanlagen sowie 180 Tonnen Fassadenelemente. Die Aepli Metallbau AG fertigte und montierte 76 Fensterelemente für die Längsfassaden sowie vier Pfosten-Riegel-Elemente für die Stirnseiten von Bar und Restaurant; allein die Frontelemente haben ein Gewicht von je rund 1000 kg.
Der modulare Aufbau des dreifachverglasten Fassadensystems reduzierte die Montagezeiten vor Ort erheblich. «Die meteorologischen Herausforderungen am Berg waren enorm. Insbesondere der starke Wind erschwerte die Arbeiten, da sowohl für die Stahlbaumontage als auch für die Fassadenelemente Hebemittel erforderlich waren», erklärt Marc Erb, Projektleiter bei RUCH. Arbeiten seien bei Wind nur eingeschränkt oder teilweise gar nicht möglich gewesen.
Ergänzend verbaute Aepli 1’400 Laufmeter Sonderprofile, 600 m² Glas, 23 Drehflügeltüren, zwei automatische Schiebeanlagen sowie 180 Laufmeter selbstregulierende Heizbänder in beweglichen Bauteilen. «Zu Spitzenzeiten waren rund 30 Monteure am Turm im Einsatz», erklärt Stefan Schmid, Teamleiter bei Aepli. Extreme Schneefälle, tiefe Temperaturen und witterungsbedingte Unterbrüche hätten die Ausführung zusätzlich erschwert. Auch die Gefahr von Blitz- und Eisschlag waren immer im Auge zu behalten, ergänzt Marc Kreissig.
Die Bautätigkeit war auf das schnee- und eisfreie Zeitfenster zwischen April und Ende Oktober beschränkt. Innerhalb dieser kurzen Bausaison mussten sämtliche Arbeiten mit hoher Taktung und präziser Terminierung umgesetzt werden.
Eine besondere Herausforderung stellte die alpine Baustellenlogistik dar: Sämtliche Baustoffe, Bauteile und Maschinen mussten auf rund 3'000 m ü. M. transportiert werden. Aufgrund der begrenzten Nutzlast der Seilbahn erfolgte die Materialversorgung in mehreren hundert exakt koordinierten Just-in-time-Transporten. Da die Anlage tagsüber ausschliesslich dem touristischen Betrieb diente, fanden sämtliche Materialtransporte nachts statt. Pro Nacht wurden zwischen 90 und 140 Tonnen Material auf die Baustelle befördert.
«Die engen Platzverhältnisse am Gipfel sowie die Koordination mit Logistik und Parallelgewerken waren die grösste Herausforderung», ergänzt Stefan Schmid von Aepli.
Bei Windgeschwindigkeiten über 60 km/h musste der Materialtransport per Seilbahn eingestellt werden. Zudem war das Gewicht je Transporteinheit auf 3'000 Kilogramm begrenzt. Der Weitertransport von der Bergstation zum Turm erfolgte mittels Raupenfahrzeugen. Insgesamt wurden 90 Fassadengestelle und 100 Stahlbünde hinauf zur Baustelle transportiert.
Am Turm war auf jeder der vier stählernen Erschliessungsstrukturen ein Kran installiert, dessen Schwenkbereich von rund neun Metern das Entladen und Positionieren der Bauteile ermöglichte. Vorgefertigte Fassadenelemente wurden – sofern Wetter und Gewichtslimite es zuliessen – per Helikopter eingebracht.
«Die Platzverhältnisse vor Ort waren äusserst beengt, weshalb sämtliche Abläufe im Just-in-time-Verfahren koordiniert wurden. Eine zentrale Herausforderung bestand darin, die Wetterentwicklung vorausschauend in die Bauablaufplanung zu integrieren und Umfang sowie Zeitpunkt der Helikoptertransporte entsprechend abzustimmen. Dadurch konnten Materialengpässe auch bei wetterbedingten Flugausfällen vermieden werden. Insgesamt funktionierte dieses System zuverlässig – nicht zuletzt dank der engen Zusammenarbeit mit der Logistik der Titlis Bergbahnen,» betont Marc Erb von RUCH.
Für die beteiligten Unternehmen geht der Titlis Tower weit über ein konventionelles Bauvorhaben hinaus: Das Projekt vereint technische Komplexität mit hoher identifikatorischer Bedeutung. Die vier beteiligten Unternehmen blicken mit Stolz auf die höchstgelegene Baustelle Europas. Stefan Schmid von Aepli Metallbau AG hebt die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stahl-, Metallbau- und Fassadenunternehmen hervor.
In der letzten Bauetappe des 150-Millionen-Franken-Projekts entsteht bis 2029 die neue Bergstation auf dem Titlis. Die Josef Meyer Stahl und Metall AG begann bereits im Sommer 2025 mit den Vorbereitungsarbeiten und verantwortet die Planung sowie Konstruktion des gesamten Stahltragwerks. Die Montage des Stahlbaus übernimmt die H. Wetter AG, während die Aepli Metallbau AG für Planung, Fertigung und Montage der Fassadenelemente und Blechverkleidungen zuständig ist.
Während der markante Titlis Tower bereits Besucherinnen und Besucher aus aller Welt empfängt, sollen die Arbeiten an der neuen Bergstation Anfang 2029 abgeschlossen werden.
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